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Österreich auf Einkaufsliste nach oben gerückt


Foto „Level K1 Tower, klein“: Mega-Deal: Die deutsche ZBI Gruppe erwarb für den offenen Immobilienfonds UniImmo:Wohnen ZBI den „Level KS 1 Tower“ im Grazer Stadtteil Gries.
Credit: KS Group


Der heimische Immobilieninvestmentmarkt manövrierte in den ersten sechs Monaten 2026 deutlich unter dem Niveau des Vorjahres. Doch es verdichten sich die Anzeichen, dass die Sache Fahrt aufnimmt. Denn auch internationale Anleger schielen wieder intensiver gen Österreich. 



Der rot-weiß-rote Investmentmarkt kam im ersten Halbjahr 2026 nicht aus seiner Talsohle heraus. Circa eine Milliarde Euro flossen nach Berechnungen von CBRE innerhalb der ersten sechs Monate in Immobilien. Damit lag das Transaktionsvolumen um 31 Prozent unter dem Vergleichswert des Vorjahres und um 27 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt. Otto Immobilien kommt in seiner Analyse auf ein etwas höheres Volumen von rund 1,08 Milliarden Euro, ortet gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 aber ebenfalls einen markanten Rückgang von 34 Prozent.


Das klingt nach einem weiteren schwachen Marktjahr. Doch zumindest bei CBRE macht sich zart-positive Stimmung breit. Schließlich basieren die relativ niedrigen Transaktionszahlen nicht primär auf fehlendem Interesse der Investoren. Vielmehr mangelt es (auch) an verfügbaren und zu den Renditevorstellungen der Käufer passenden Objekten.




Mehr als die Hälfte internationale Käufer 

Jedenfalls entfielen 53 Prozent des von CBRE Österreich erfassten Investmentvolumens im ersten Halbjahr auf internationale Anleger. Im Vorjahreszeitraum waren es lediglich 35 Prozent. Vor allem die größeren Transaktionen gingen auf die Kappe ausländischer Investoren. Damit veränderte sich das Kräfteverhältnis gegenüber den vergangenen Jahren, in denen heimisches Kapital den Markt prägte. 

Für CBRE ist das signalgeladen. Seit Jahresbeginn sei eine spürbar steigende Aktivität internationaler Investoren zu beobachten. Österreich rücke wieder stärker in den Fokus institutioneller Anleger. Es seien mehrere relevante Deals in Vorbereitung. Die Kombination aus anziehender internationaler Nachfrage und steigender Marktaktivität stimme für das zweite Halbjahr optimistisch. 

Die Entwicklung der einzelnen Assetklassen führt derweil vor Augen, dass sich der Markt wandelte. Retail und Hotels lagen im ersten Halbjahr 2026 bei CBRE an der Spitze. So entfielen auf Handelsimmobilien 27 Prozent des Investmentvolumens, Hotels kamen auf 26 Prozent. Wohnen folgte mit 15 Prozent auf Rang drei. Im zweiten Quartal war Retail mit 32 Prozent sogar die stärkste Assetklasse, dahinter Hotels mit 31 Prozent und Logistik und Industrie mit 14 Prozent. Otto Immobilien kommt zu einem ähnlichen, wenn auch teils anders gewichteten Ranking. Demnach erhöhte sich der Anteil von Handelsimmobilien am Transaktionsvolumen von acht Prozent im ersten Halbjahr 2025 auf rund 31 Prozent. Ausschlaggebend war eine Großtransaktion in Parndorf. Gleichzeitig kollabierte der Anteil des Wohnens von 33 Prozent auf rund 16 Prozent.


Wohnsegment auf absteigenden Ast

Besonders krass fällt der Rückgang im Wohnsegment aus. Laut CBRE liegt das Investmentvolumen in diesem Bereich heuer rund achtzig Prozent unter dem Vorjahresniveau. Auch Otto Immobilien registriert einen gravierenden Einbruch. Das Transaktionsvolumen bei Wohnimmobilien brach im Jahresvergleich um 74 Prozent. Damit verliert die Assetklasse ihre dominierende Stellung aus dem Vorjahr mit wehenden Fahnen. Ähnlich schwach entwickelten sich Büro mit minus 39 Prozent sowie Industrie und Logistik mit minus 47 Prozent. Bei Hotels fiel der Rückgang mit 19 Prozent vergleichsweise moderat aus. 

Die Renditen bewegten sich im zweiten Quartal in mehreren Segmenten moderat nach oben. CBRE weist für High-Street-Retail eine Spitzenrendite von 4,8 Prozent aus, für Wohnimmobilien 4,1 Prozent und für Logistik 5,2 Prozent. Büro blieb bei 4,8 Prozent stabil, Hotels bei 5,4 Prozent. 



Beispielhafte Transaktionen 

Dass internationale Investoren Österreich wieder stärker ins Visier nehmen, lässt sich auch an konkreten Akquisitionen ablesen. Ein Beispiel ist der Erwerb des „Level KS 1 Tower“ in Graz durch die ZBI Gruppe mit Firmensitz im deutschen Erlangen für den offenen Immobilienfonds UniImmo:Wohnen ZBI. Der 17-geschoßige Monolith im Stadtteil Gries verfügt über 177 Mietwohnungen und rund 20.000 Quadratmeter Gesamtvermietungsfläche. ZBI realisierte das Projekt gemeinsam mit der KS Group im Rahmen eines Joint Ventures. Die Fertigstellung wurde im heurigen Frühling zelebriert, sechs Monate früher als geplant. Der Deal veranschaulicht, dass sich institutionelles Kapital nicht ausschließlich auf die klassischen Wiener Investmentobjekte ausrichtet. 

Ein weiterer Deal wurde gleich nach der Halbjahreswende verlautbart. Revetas Capital startete Anfang Juli seine neue DACH-Wohnplattform „Pearl“, indem es als erste Immobilie ein Gewerbegebäude in der Reschgasse in Wien-Meidling erwarb. Der Akquisition erfolgte off-market. Das Objekt ist vollständig für den Umbau in neunzig Eigentumswohnungen baugenehmigt. Die Fertigstellung ist 2028 geplant. Bei Revetas Capital handelt es sich um eine internationale institutionelle Investmentplattform, die gezielt auf Value-Add-, opportunistische und notleidende Immobilien sowie Sondersituationen setzt. Das Unternehmen verfügt über Niederlassungen unter anderem in Luxemburg und London.



Fazit
Ob sich die vorsichtige Belebung tatsächlich als nachhaltiges Comeback entpuppt, entscheidet sich wohl in den kommenden Monaten. CBRE prognostiziert mehrere großvolumige Deals, die im weiteren Jahresverlauf zusätzliche Dynamik bringen könnten. Genannt werden das Goldene Quartier und das Hotel Park Hyatt in der Wiener City. Dessen ungeachtet bliebt die Ausgangslage anspruchsvoll. Im ersten Halbjahr schielten internationale Investoren wenig überraschend mit Argusaugen auf Renditen, Finanzierung und das verfügbare Produkt. Der wachsende Anteil ausländischen Kapitals deutet darauf hin, dass sie zur Tat schreiten, sprich dass die Alpenrepublik wieder weiter nach oben auf der Einkaufliste internationaler Anleger rückte. 



Zur Autorin

Claudia Aigner ist Chefredakteurin der „Österreichischen Immobilien Zeitung“ (OIZ). Seit 1998 ist die gebürtige Oberösterreicherin im Fachjournalismus tätig; konkret für Magazine im Bereich Werbung, Tourismus, Telekommunikation sowie Industrie. Nach einem „Abstecher“, der sie in die PR führte, bereitet sie seit elf Jahren Immobilienthemen – quer durch alle Assetklassen – redaktionell auf.